Strategie

Im Folgenden wollen wir zeigen, was wir für Lösungsansätze verfolgt haben, um die Probleme, die wir erwarteten, zu meistern und wie sie sich bewährt haben.

Allgemeiner Hinweis

Vorausgeschickt sei nochmals der Hinweis, dass es sich um eine recht anspruchsvolle und z.T. anstrengende Tour mit einigen Risiken handelt, die nicht unterschätzt werden sollten.
Für Kanu- und Wildnisanfänger ist sie nach unserer Meinung nicht geeignet.
Eine umfassende Planung und Vorbereitung ist unbedingt notwendig. Die wichtigsten Gründe in der Zusammenfassung:

  • Man befindet sich weitgehend fern von zivilisatorischen Einrichtungen.
  • Handy-Emfang ist nur bedingt, in der Regel nach Besteigung von umliegenden Höhen möglich.
  • Die Gegend ist zum Teil menschenleer. An einigen Tagen haben wir niemanden gesehen oder  getroffen.
  • Es müssen 2 große Seen überquert werden, die niedrigen Wassertemperaturen stellen bei einer Kenterung je nach Witterung und Jahreszeit ein großes Problem dar.
  • Aufgrund der Höhen- und Gebirgslage ist mit schnellem Wetterwechsel zu rechnen.
  • Bei Wind bilden sich auf Rogen und Femund aufgrund der Wassermassen hohe Wellen.
  • Die Wildwasserbereiche sind in der Regel sehr verblockt und z.T. reißend.
  • Eine Entscheidung über ihre Befahrbarkeit muss immer wieder neu erfolgen, Literaturangaben helfen aufgrund der unterschiedlichen Wasserstände, Bootstypen und Beladung sowie individuellen Fähigkeiten nur wenig.
  • Die vielen Portagen sowie die ganze Tour stellen deutliche Ansprüche an die körperliche Fitness der Teilnehmer.
  • Schlechtwetterperioden oder eventuelle Erholungstage erfordern die ausreichende Mitnahme von Proviant, auf erfolgreiches Anglerglück kann man sich nicht verlassen.
 
Andererseits stellt die Tour ein unvergleichliches Erlebnis in einer der letzten vom Menschen kaum berührten und noch weitgehend intakten Natur dar.

Gepäck

Da wir aus verschiedenen Reiseberichten wussten, dass die Strecke von Käringsjön nach Sorvika über Rogen, Röa und Femundsee von zahlreichen Portagen und Wildwasserabschnitten unterbrochen ist, beschlossen wir “portagen-optimiert” zu packen. Hinzu kam, dass nur die Hälfte unserer Mannschaft (nämlich Cajus) einige Wildwassererfahrung hatte. So nahmen wir uns vor im Zweifel lieber zu tragen, als nass zu werden oder Teile der Ausrüstung zu verlieren. Damit die Tour trotzdem ein Spass wurde, gestalteten wir Portagen so, dass wir nicht mehr als zwei mal pro Umtragen gehen mussten.

Wir versuchten uns also auf ein Mindestmaß an Gepäck zu beschränken. So kamen wir auf eine Tonne und einen großen wasserdichten Sack für die Lebensmittel, einen großen Sack für die Kleidung, einen großen Sack für die Küchensachen und sonstigen Kram, einen kleinen Sack für die Schlafsäcke, ein Zelt, die Isomatten und eine kleine Tonne für Foto, Handy etc. Um die sperrige, unhandliche Tonne und die wasserdichten Säcke besser tragen zu können, schnallten wir sie alle auf zwei alte Rucksackgestelle, von denen sämtliche Taschen entfernt worden waren.

So konnten wir mit einmal Gehen, zu zweit alles Gepäck bis auf einigen Kleinkram transportieren. Den Kleinkram, wie die Wertsachentonne, die Paddel, Jacken, die Mülltüten, das zweite Paar Schuhe usw. blieb im Boot und wurde mit dem Boot getragen.

Das Gepäck auf den Rucksäcken war trotz des enormen Gewichts sehr gut zu tragen und zwei mal Gehen pro Portage war auf Dauer schon fast zu viel. Angenehm war in dieser Hinsicht, dass bei den meisten Übergängen und Portagen schon kleine Trampelpfade den richtigen Weg markierten. Als schwerwiegender Nachteil erwieß sich, dass die Rucksäcke extrem schwer in und aus dem Boot zu wuchten waren. So beschlossen wir nach dem zweiten Tag, den schwersten Sack von dem jeweiligen Gestell weg zu lassen. Da wir kein drittes Mal Gehen in Kauf nehmen wollten, trugen wir ab da bei den Portagen nicht nur die Rucksackgestelle (die jetzt leichter waren), sondern jeder auch noch einen schweren Sack.  

Das Boot

Als Boot hatte Cajus schon vor zwei Jahren einen “Ally Tramp” Faltkanadier ausgesucht, was mit einem angegebenen Gewicht von 16 kg das überhaupt leichteste Boot war, das uns bekannt war. Der grüne Kunstoffkanadier von Cajus wiegt im Vergleich dazu etwa 40 kg!

Die Fahreigenschaften des Bootes sind im Vergleich zu festen Kanadiern als ansprechend zu bezeichnen. Mit voller Beladung ist auf Seen ist kein wesentlicher Unterschied zu anderen vergleichbaren Bootstypen festzustellen. Bei Wind bemerkt man eine etwas größere Abdrift und damit ein etwas erschwertes Steuerverhalten. Bei Alleinfahrten ohne Gepäck macht sich die größere Leichtigkeit und damit auch Windanfälligkeit des Bootes allerdings negativ bemerkbar. Problematisch hingegen ist die Befahrung von Wildwasserabschnitten. Hier macht sich ein besondere Eigenschaft des Bootskörpers bemerkbar. Stößt man mit einem festen Boot von im Wasser liegenden Steinen bei leichter Berührung in der Regel ab und kann sie als “Bande” benutzen, sitzt der Ally dagegen mit seinem weichen Kunststoffkörper sofort wie angesaugt auf jedem Hindernis und macht im beladenen Zustand eine Navigation kaum mehr möglich, man sitzt ziemlich hilflos, wie mit der Saugglocke gehalten,auf. Das komplette Umfahren aller Steine ist in der Röa allerdings nicht möglich. Dieser Nachteil verkehrt sich bei der Alleinfahrt im Wildwasser z.T. in einen Vorteil. Das Boot wird jetzt durch seine Leichtigkeit enorm wendig, durch Gewichtsverlagerung kann man jedem Hindernis entfliehen, in Sekunden wird durch Drehung im Boot aus dem Heck das Bug und andersherum. Mit dieser Technik bin ich auf der Röa eine verblockte Schwallstrecke alleine gefahren, die mit einem festen Boot kaum befahrbar gewesen wäre.
Insgesamt sollte man bei der Auswahl der befahrbaren Schwellen jedoch nach meiner Meinung etwas vorsichtiger sein. Lassen sich Schäden in der Außenwand relativ leicht kleben, so hätte ein Bruch des Aluminiumgestänges fatale Folgen, da es unterwegs kaum reparabel ist. Besonders vorsehen muss man sich natürlich vor spitzen Steinen und Ästen, das sie das ganze Boot aufschlitzen könnten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Boot uns insbesondere durch seine Leichtigkeit und transportfreundlichen Pack- und Aufbewahrungsmöglichkeit überzeugt. Trotz der Leichtkonstruktion überrascht die Stabilität der verwendeten Materialien. Leichte Abstriche sind bei den Fahreigenschaften zu machen. Aufgrund meiner früheren “Wildwassererfahrungen” mit festen vollbeladenen Kanadiern (Dordogne sowie diverse Touren in Finnland) bin ich der Meinung, dass man auch mit festem Boot bei dem niedrigen Wasserstand, den wir vorgefunden haben, kaum mehr Schwellen auf der Röa hätte fahren können. Die Gewichtsvorteile bei den Portagen sprechen hingegen eindeutig für den Ally.

Verpflegung

Wir rechneten damit, dass wir etwa zehn Tage unterwegs sein würden und hatten den Proviant dementsprechend dimensioniert. Zum Frühstück planten wir 5 kg Müsli und Trockenmilch für 10 Liter (welche auch noch für Kaffee und Süßspeisen gedacht war). Eine ganze Reihe Tütensuppen mit Buchstabennudeln als Einlage, 1 kg Vollkornbrot, 2 Salamie und ein Schinkenspeck sollten jeweils das Mittagessen bilden. Ausserdem gab es jede Menge Schokolade, Müsliriegel, Kekse und Studentenfutter für zwischendurch.

Der eigentlichen Glanzpunkt eines jeden Tages war unser Abendessen: Das deftig-zünftige Outdooressen von Auernhammer! Zu Auswahl standen Sachen wie “Schweinebraten gesalzen”, “Kassler vom Nacken”, “Fleischkäse Thüringer Art”, “Frikadellen” oder Bratwürstchen. Dazu - ebenfalls von Auernhammer - Blaukraut oder Sauerkraut. Fertig portioniert und in Alu eingeschweißt, müssen die Sachen nur noch im warmen Wasser aufgekocht werden und kommen dann (wie im Fall der Bratwürstchen) wie aus der Pfanne gebraten aus der Tüte. Ist der Treibstoff für den Kocher knapp, kann im gleichen Wasser noch der Kartoffelbrei (nicht von Auernhammer) angerührt werden. Wir nahmen aber immer neues Wasser, und hatten 6 Päckchen Kartoffelbrei, mit jeweils drei Portionen, die wir zu zweit aßen und die nicht zu viel waren.

Besonders praktisch war, dass der Kartoffelbrei nur mit Wasser angerührt werden mußte und dafür keine Milch (oder Butter) nötig war. Bei den Tütensuppen stellten sich die, die für einen halben Liter ausgelegt waren, als zu knapp für uns zwei heraus, und von denen kombinierten wir dann zwei. Um die Auernhammerpäckchen aus dem kochenden Wasser zu fischen und aufzuschneiden, hat sich unsere Allzweckkombizange bestens bewährt.

Navigation

Aufgrund der ausgeprägten Vorliebe für technische Geräte von uns beiden, beschlossen wir, unsere Navigationsausrüstung um ein “Garmin GPS 72” zu ergänzen. Damit war es uns im Vorfeld mit der entsprechenden Software (Gartrip, mit Abstrichen auch Waypoint) möglich, auf gescannten Karten wichtige Wegpunkte zu markieren und auf den Garmin zu übertragen. Diese konnten dann im Gelände angepeilt werden. So waren die Portagenanfänge am Ufer sicherer zu finden, die Schutzhütten für plötzlich aufkommendes schlechtes Wetter schnell zu erreichen und die Route und Lagerplätze, die Cajus bei seiner letzten Rogentour ausgekundschaftet hatte, wiederzufinden.

Wenn wir dann auf einem See mal in die eine, mal in die andere Richtung fuhren, dann wußte ich, dass Cajus nur nach dem GPS-Gerät den nächsten Wegpunkt ansteuerte und nicht mehr ins Gelände guckte...

Mücken

Neben Autan, Zedan, und noch irgendeinem Mittel hatten wir zur totalen Sicherheit noch zwei “Imkerhelme” konstruiert. Aus einem Quadratmeter Mückengitter für Fenster aus dem Baumarkt, der in zwei Teile geschnitten, von mir liebevoll per Hand zusammengenäht und von Cajus pragmatisch zusammengetackert wurde, hatten wir zwei Mückennetze, die wir über den Kopf stülpen konnten.

Ich hatte mit wesentlich mehr Mücken gerechnet, aber die, die da waren, wurden durch unsere Mückennetze effektiv abgehalten. Die einzigen ungeschützten Stellen blieben unsere Hände, wo wir dann auf die anderen Mückenmittel zurückgriffen. Die Mückennetze versagten allerdings in zwei Situationen: Einmal beim Essen, wo diese aus leicht nachvollziehbaren Gründen abgelegt, bzw. hochgeschoben werden mußten, und auf der Wanderung auf den Bustvalen, wo wir sie vergessen hatten. Ein weiteres Versagen stellte sich bei den Knots heraus: Diese waren so klein, dass es ihnen immer wieder gelang, durch die feinen Maschen des Mückennetzes zu schlüpfen. 

Die Femund-Fähre (Fahrplan)

Sollte extrem schlechtes Wetter die Überfahrt über den Femud verhindern, ...

So gerüstet machten wir uns auf den Weg.

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